Wanderrudern

31. Vogalonga 2005 in Venedig

Es ist mal wieder soweit…. Die Vogalonga steht vor der Tür.
Dieses Mal ist der vereinseigene Andrang so groß, dass wir unsere eigenen Boote mitnehmen müssen und nicht auf ein Boot unserer Starnberger Freunde zurückgreifen können.
Insgesamt müssen vier Doppelvierer mit Steuermann hergerichtet und verladen werden.
Am Donnerstag vor Pfingsten war dann großer Bastel- und Riggertag. Die, von Christian und Bettina im Vorfeld eingeteilten, Bootsmannschaften machten sich ab 17 Uhr daran, ihre Boote meerestauglich zu machen. Als erstes mussten Abdeckungen für den Bug- und Heck-Bereich gebaut werden, die mal mehr, mal weniger professionell ausfielen, aber jedem Boot die individuelle Note gaben. Sehr auffällig war das Engagement unserer jungen Mädels, die mit Stichsäge und Bohrmaschine sehr geschickt ihre Konstruktionen zauberten.
Die Wohl ausgereifteste Konstruktion lieferten unsere Herren für die Wanda ab. Da wurde um jeden Millimeter gemessen, gesägt und gefeilt. Bei der Regatta stellte sich dann heraus, dass es gar nicht nötig war, so einen Aufwand zu betreiben, da wir von Petrus mit Spitzenbedingungen verwöhnt wurden.
Jetzt mussten noch die Ausleger mit einer Wachsschicht überzogen, kleinere Stellen mit Bootslack ausgebessert und alle Schrauben festgezogen werden, damit kein Teil auf den 500 Kilometern Anfahrt verloren geht.
Gegen 21:45 Uhr waren dann endlich alle Teile verstaut und alle Boot auf dem Hänger festgemacht. Jetzt noch schnell einen Biertisch auf die oberste Lage und der Hänger war startklar.
Freitagmittag um halb zwei ging´s dann los Richtung Italien.
Über München, wo wir (Sandra, Phillip und ich) den Bernd abholen mussten, am Inntaldreieck rechts weg zum Brenner und dann über Verona nach Venedig.
Eine kurze Unterbrechung hatten wir in Affi am südlichen Gardasee, wo wir den Poldi noch mitnehmen mussten. Dieser hatte nach einer Klassenfahrt dort ganze 7 Stunden auf uns gewartet. Respect!!
Dank einer super Beschreibung, via SMS von Christian, hatten wir den Fischmarkt, wo wir den Hänger in Venedig abstellen wollten gleich gefunden und machten uns auf den weg zu Campingplatz in Punta Sabbioni, wo wir um kurz nach elf Uhr Nachts ankamen. Leider wurde uns die Einfahrt mit dem VW-Bus verwehrt und wir mussten (oder durften) die Nacht am wunderschönen Strand der Riviera verbringen.
Nach einem guten Frühstück machten wir uns am Samstag auf zu einer kleinen Venedig Sightseeing Tour, ehe wir uns um 15:00 Uhr zum Aufriggern der Boote trafen.
Am Tronchetto war schon richtig was los. Wir fanden aber noch Platz unsere Boote bei schönstem Wetter auf Böcke zu legen und mit der Montage der Spritzschutzhauben auf Bug und Heck zu beginnen. Bis wir dann alle Boot fertig geriggert und abgeklebt hatten, stand schon eine bedrohliche dicke schwarze Wolke über uns, die uns dann auf dem Weg zur Rialtobrücke, wo wir unsere Boote über Nacht ablegen wollten, auch richtig satt geduscht hat.
Wir haben dann die Boote abgelegt und sind tropfnass, frierend und niedergeschlagen mit der Fähre nach Punta Sabbioni zurück gefahren und haben den Tag in einer super Pizzeria ausklingen lassen.
Am Sonntag dann der große Tag:
Schon um viertel nach fünf wurde die ganze Truppe gnadenlos von Bettina geweckt, weil wir um 6:35 Uhr die Fähre erreichen wollten. Als es dann so langsam Zeit wurde zu gehen fing Helmut an, im Minutentakt die jeweils aktuelle Zeit lautstark auszurufen. 6:20 Uhr machten wir uns dann auf den 10 Minuten-Fußmarsch zur Fähre, die wir dann auch pünktlich um 6:32 Uhr erreichten. Ist ja echt schön anzuschauen, so ne Fähre in der aufgehenden Sonne. Nur leider waren wir nicht mit drauf, weil sie, wie dem Fahrplan zu entnehmen gewesen wäre, pünktlich um 6:30 abgelegt hat.
Na gut, wir nehmen die nächste…. Aber die geht erst in einer Stunde.
Auch das, zwischenzeitlich angelegte Piratenschiff wollte, trotz allem Verhandlungsgeschick unseres „Italieners“ Dirk, nicht früher ablegen. So kamen wir also erst um zwanzig vor neun bei unseren Booten an.
Die totale Hektik am Platz führte dann noch dazu, dass der ein oder andere von uns die Temperatur des Venediger-Brackwassers getestet hat.
Als unser Boot dann als letztes des TRV im Wasser war, waren alle anderen schon weg.
Den Startschuß hörten wir noch bei der Rialtobrücke, also nur noch ungefähr zwei Kilometer bis zur Startlinie!! „Egal, dabei sein ist alles!“ war unsere Durchhalte-Parole. Wir legten uns also voll ins Zeug, um nicht als letztes Team des TRV ins Ziel zu kommen.
Auf den ersten acht Kilometern gelang uns das auch hervorragend und wir konnten schon den ersten Vierer ein- und dann auch überholen. Wir machten immer mehr Plätze gut, bis wir dann an einem engen Linksknick in der Innenkurve waren und stecken blieben. Ein holländischer Vierer hatte sich derart verkeilt, dass für uns kein Durchkommen mehr war. Wir mussten also ein paar Schläge zurück rudern und weiter außen anfahren. Aber jetzt war bei uns der Ehrgeiz erst richtig geweckt und wir versuchten immer ganz außen um alle Boot herum zu fahren. Erst auf der langen Lagunenüberfahrt nach Venedig hatte wir dann die Muße, uns auch die anderen schönen Wassergefährte anzuschauen. Wirklich abenteuerliche Schiffchen waren da unterwegs. Von riesigen Gondeln mit bis zu 15 Personen, über bunte Drachenboote, bis zu einzelnen „Kapitänen“ in Faltbooten war wirklich alles vertreten.
Am Ende der Überfahrt ging es dann nach Venedig hinein durch einen engen Kanal unter einer Brücke hindurch, die vollbesetzt mit jubelnden Menschen war. Gänsehautfeeling macht sich breit.
Die letzten Kilometer durch die Lagunenstadt waren dann ein einziges Schaulaufen durch schreiende und singende Menschen. Um den sportlichen Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren lieferten wir uns dann noch einen schönen Wettkampf mit ein paar Renngondeln, den wir aber klar für uns entscheiden konnten.
Endlich im Ziel angekommen, gab´s dann, nach der Namensverlesung (die ein paar von uns gar nicht mehr mitbekommen haben, vor lauter Stolz es geschafft zu haben), unsere Urkunden und einen Mineraldrink des Sponsors.
Wir drehten jetzt bei und legten unser Boot an einer kleinen Bootslände an um ein bisschen zu verschnaufen. Erst jetzt merkten wir, wie doch der Hintern schmerzt, nach einer so langen Sitzerei. Jeder versuchte sein Hinterteil so gut wie möglich zu entlasten, bevor es dann zum Riggerplatz weiter ging.
Dort wartete schon das Team von „Gymnasium Starnberg“ (mit Poldi, Laura, Bettina, Lucas und noch mal Bettina), die das TRV-interne Rennen klar für sich entscheiden konnten. Zu unserer Freude waren wir, obwohl als letzte gestartet, zum Ende die Zweitschnellsten, auch wenn es uns zu diesem Zeitpunkt schon egal war. Wir wollten nur noch die schmerzenden Hintern von den Rollsitzen runter bekommen. Gemeinsam haben wir dann die Boote abriggert und auf den Hänger verladen.
Jetzt freuten wir uns schon alle auf eine Abkühlung, die wir uns dann in Form von einem Moretti oder einem leckeren Eisbecher gegönnt haben.
Zurück am Campingplatz wurde dieses Wahnsinns-Spektakel mit 1462 Booten und 5165 Teilnehmern dann noch mal ausgiebig bei ein paar Gläsern Rotwein besprochen, ehe wir von Axel mit supergenialen Nudeln mit Thunfisch-Kapernsoße verwöhnt wurden.
Am nächsten Tag ging es für die meisten von uns dann wieder nach Hause.
Dank freier Autobahn und akzeptablen Wetterverhältnissen beim Fahren, schafften wir es, uns schon um 18:30 zum Ausladen zu treffen.Innerhalb kürzester Zeit waren alle Boote wieder aufgeriggert und das gesamte Material im Bootshaus aufgeräumt.
Zum Schluß möchte ich mich noch bei allen Mitfahrern für diese wunderschöne Regatta und die schönen Stunden auf dem Campingplatz bedanken. Es wird mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch bei der Vogalonga gewesen sein.

Sandra Löger und Andi Borowicz


Ammersee-Rundfahrt am 26. Juni 2004

Der TSV Herrsching hatte zusammen mit dem Bayerischen Ruderverband zu einer Wanderruder-Ammersee-Rundfahrt für den 26. Juni 2004 eingeladen.

Gekommen waren 40 Ruderer aus ganz Bayern und aus Berlin, so dass acht Vierer m. Stm. voll besetzt waren. Der Tutzinger RV war mit Heinz Henke und mir leider nur schwach ver-treten, dafür haben wir aber zwei Boote bereitgestellt (Christine und Starnberg).

Für alle, die nicht teilgenommen haben: Es war eine wunderschöne Fahrt an einem der bisher sehr wenigen Tage der laufenden Saison, an denen das Rudern ganztägig Spaß gemacht hat. Wir hatten strahlenden Sonnenschein bei wenig Wind und gut erträglichen Temperaturen. Die Streckenlänge ist mit 35 km etwas kürzer als die Umrundung des Starnberger Sees. Unter-wegs gab es in einem Schondorfer Gasthaus eine längere Pause mit gutem Mittagessen, nach dem die Wiederaufnahme des Ruderbetriebes etwas schwer fiel. Aber am Bootshaus lockten Kaffee, Kuchen und Sekt sowie ein Abendessen, so dass alle Boote ohne Ausfall oder größere Beschwerden das Ziel etwa gleichzeitig erreicht haben.

Die gute Organisation durch die Verantwortlichen des TSV Herrsching hat sicher ihren Teil zu der lockeren und angenehmen Stimmung während der ganzen Veranstaltung beigetragen, und es wäre zu wünschen, dass bei künftigen Gelegenheiten, die uns so nahe sind, eine größe-re Zahl von Vereinsmitgliedern teilnimmt.

Rainer Vahlkampf


30. Vogalonga 2004 in Venedig -
Ein Rudererlebnis der besonderen Art


Er bekam immer große Augen, wenn er von den Erlebnissen der "29. Vogalonga 2003" in Venedig erzählte: Dirk Devogelaere. Schon beim Roseninsel-Achter 2003 war sein Talent andere zu motivieren mehr als erfolgreich. So sprang wiederum durch Dirk´s Engagement der entscheidende Funke über, der 16 weitere Clubmitglieder für die "30. Vogalonga 2004" heiß machte.
Vogalonga bedeutet so viel wie Rudermarathon. Dem Ursprung des Events ging Anfang der 70er eine Protestbewegung der Venezianer voraus, die sich gegen zunehmende Motorisierung der Boote in der Lagune richtete. Schäden durch Schwell an den wertvollen Gebäuden sowie die Verdrängung der traditionellen Gondeln waren die tragenden Argumente.
Gleichzeitig bot sich dabei die Gelegenheit, dem venezianischen Schiffsbauhandwerk gebührende Referenz zu erweisen, damit wieder frischer Wind durch Werkstätten wehe.

Es waren Ruderkameradschaften venezianischer Vereine, die mit ihren Booten 1974 die erste Vogalonga inszenierten. An der Ausrichtung hat sich bis heute nichts geändert, der Termin fällt auf das letzte Wochenende im Mai, Start und Ziel ist das Becken vor San Marco. Dazwischen ein 30 km langer Kurs mit einer Schleife durch den nordöstlichen Bereich der Lagune - vorbei an La Certosa, Le Vignole, San Erasmo, hindurch zwischen Burano und Mazzorbo, zurück über Murano, von Norden her in den Canal Grande, durch diesen zurück nach San Marco.
Gemäß den Vorgaben aus Venedig hat Christian Steinert, mit erwähnenswertem Überblick für´s Große und mit Unterstützung von Bettina Görgner, das Event perfekt organisiert. Der Gedanke irgend etwas könnte nicht funktionieren kam gar nicht erst auf.
Ein Problem gab es dann doch: die angedachten zwei Doppel-Vierer mit Steuermann konnten nicht besetzt werden, denn manche Begeisterung verwandelte sich in Zaudern, als die zu rudernde Strecke von 30 km in´s Gespräch kam. Deshalb, zwei Tage vor der Abfahrt, Christian´s Vogalonga-Mail an alle: "Uns fehlt noch ein Mann!"
Es war sein Organisationstalent und zugleich glückliche Fügung - als Alternative zu zwei Doppel-Vierern zog Christian einen fast neuen Doppel-Achter vom MRSV an Land, der optimal eingeteilt wurde:
1 Bettina Görgner, 2 Lukas Loritz, 3 Wolfgang Hinrichs, 4 Hans Weber, 5 Dirk Devogelaere, 6 Sabine Regenauer, 7 Laura Loritz, 8 Christian Steinert, am Steuer Philipp Krüsmann. Begleitmannschaften waren die Familien Regenauer und Loritz und der Poldi.

Am strahlenden Pfingstsamstag waren 2 Teams mit unterschiedlichen Zielen unterwegs: Das Aufbauteam mit Boot und Material in Richtung Venediger Hafengelände, daneben die Quartiermacher in Richtung Punta Sabbioni, mit dem Ziel einen geeigneten Campingplatz im Bereich des Schiffsanlegers für den Transfer nach Venedig zu finden. Beides klappte vorzüglich.
Noch am selben Abend erwartet uns die erste Herausforderung - im Achter durch den Canal Grande, damit am Rialto, ca. 20 Ruderminuten von San Marco entfernt, der Achter bis zum nächsten Morgen gelagert werden konnte. Eines wurde gleich klar: gehauchte Kommandos und sanftes manövrieren wie in unserem Revier sind im Canal Grande nicht möglich. Denn unzählige Vaporettos, Frachtschiffe, Gondeln kreuz und quer, dazu enge Kurven und Durchfahrten, fordern die volle Palette der mit einem Achter möglichen Manöver - und die Stimmbänder des Steuermannes. Die Meinung der Mannschaft: "Ein heißer Auftakt".

Pfingstsonntag. Venedig erwacht gerade, die Kanäle spiegeln die ersten Strahlen an die alten Fassaden der Lagunenstadt. Da schleicht eine Achter-Mannschaft durch die Gassen zum Rialto.
Der Canal Grande gehört jetzt den internationalen Ruderleuten - schon zieht ein Schweizer Vierer vorbei, dahinter eine venezianische Renngondel, die Mannschaft in Originaltracht, ein Einerkajak und 3 Holländer mit ihrem Kanu. Die ersten Zuschauer finden sich ein.

Vor der imaginären Startlinie, etwa eine Peilung über das Becken von San Marco nach San Gorgio, treffen ca. 1500 Boote ein. Alles was sich von Hand über´s Wasser bewegen lässt hat seinen Auftritt: Ruderboote aller Kategorien, Sport- und Wanderkanadier, Drachenboote, teilweise mit bis zu 30 Leuten besetzt, die Trommler schlagen schon den Rhythmus, Renngondeln und normale Gondeln. In den geschmückten Booten sitzen viele in ihrer Landestracht, der leichte Wind trägt Gesänge über´s Wasser.
Die Campaniles der Stadt setzen mit mächtigem Geläut noch eins drauf - eine wahrhaft festliche Stimmung. Punkt neun hallt der Startschuss über die Lagune, nein, es ist eine Kanone, damit es auch alle hören - tausende von Ruderblättern peitschen das Wasser, alles setzt sich in Bewegung.
Bei so vielen Bootsklassen ist es verständlich, wenn sich das Feld gleich nach dem Start in die Länge zieht. Ein Einerkajak versuchte verzweifelt in das Heckwasser unseres Achters zu starten - vergeblich. Christian zog den perfekten Schlag. Ohne die Mannschaft zu überfordern.
Anfeuerungen und Glückwünsche von Boot zu Boot in verschiedenen Sprachen, hier die Trommeln der Rhythmusschläger auf den Drachen, dort das "Primavera" von Vivaldi aus mannshohen Lautsprechern, dazwischen die Kommandos der Steuerleute - selbst die Stimmgewaltigsten unter ihnen hatten Probleme sich durchzusetzen und über allem die Glanzlichter eines strahlenden Vormittags.
An einem solch herrlichen Pfingstsonntag wäre der "Tod in Venedig" von Thomas Mann eine Schubladenproduktion geworden, denn: "Venedig leuchtete".
Philipp ließ sich nicht beeindrucken, gekonnt lässig steuerte er den Mixachter selbst durch die engsten Biegungen, respektvolles Abstandhalten kleinerer Boote war nicht zu übersehen.

Christian sorgte ab und zu für klare Verhältnisse, indem er bei penetrantem Drängeln 10 bis 20 dicke Schläge von uns einforderte. Ein Kommentar aus einem Nachbarboot war zu hören: "remano come delle macchine!" (sie rudern wie Maschinen). Damit konnte nur der gleichmäßige Schlag gemeint sein ?
Ab der Einfahrt in den Canal Grande, die letzten 5 km des Rudermarathons, bestimmten die Zuschauer die Szene: ein buntes, internationales Volk säumte den Canale, Anfeuerungen von beiden Seiten, aus den schmucken Fenstern der Renaissancegebäude, von den Brücken herunter. Vor allem die drei Mädels im Achter, Bettina, Laura und Sabine erhielten Sonderbeifall - eine Ruderparade also, die den Gedanken an Müdigkeit auf den letzten Kilometern nicht mal ansatzweise aufkommen ließ.
Noch ein kurzes Drängeln am Zielfloß vor San Marco, Erinnerungsurkunden fliegen in´s Boot, Venedig leuchtet - die Mannschaft strahlt.
So ganz nebenbei erfahren wir noch, dass wir 125. von ca.1500 bis 1600 Teilnehmern geworden sind. Das Ganze auf 100 Teilnehmer zurückgerechnet, bedeutet dies ein Platz unter den ersten zehn. Jedenfalls haben wir an diesem Tag keinen angetroffen, der anderen ein Gespräch über Sieg oder Niederlage aufdrängte.
Sicherlich im Sinne aller die dabei waren: Ein herzliches Dankeschön für dieses schöne Rudererlebnis.
Noch ein Nachschlag: einige Vogalonga-Frischinfizierte sitzen bereits mit im Boot, sie trainieren für die 31. Vogalonga 2005 in Venedig.


Hans Weber


Nur der Mann im Mond schaut zu
oder
Die Wilde 13 auf Mondscheinfahrt

Die folgenden Geschehnisse trugen sich an einem August-Montag im Jahre 2003 in Tutzing zu. Zu nächtlicher Stunde stachen 13 verwegene Ruderer zur Fahrt bei Vollmond in den See…

Die Verwegenen 13
Ein bunter Mix, acht Junioren und fünf Master, versammelt sich unter der Leitung von Bettina Görgner und Christian Steinert in den Abendstunden des 11. August 2003 im Bootshaus des Tutzinger Rudervereins am Starnberger See zu einer legendären Mondscheinfahrt.

Die Vorbereitungen
Treffen um 19 Uhr. Master-Dirk bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Beim Grillen. Kraftnahrung muss sein. Der Abendschmaus stärkt. Ruckzuck verschwinden die von Zuhause mitgebrachten Leckereien in den hungrigen Bäuchen und was fehlt wird kurzerhand von der Tanke organisiert. Da soll mal einer sagen, Ruderer sind keine Organisationstalente.

Der Stapellauf
21 Uhr. Es geht los. Satt und tatendurstig werden im Dunkeln drei Boote zu Wasser gelassen, zwei Gig-Doppel-Vierer und ein Gig-Doppel-Zweier jeweils mit Steuermann, denn bei der nächtlichen Tour ist höchste Aufmerksamkeit gefordert. Ein Blick auf die verwegenen 13: Da findet sich der berühmtberüchtigte Junioren-Mädchen-Vierer, der souveräne Junioren/Master-Mix-Vierer mit Bettina als Steuerfrau und dem großen Dirk als "Dampfmacher" und schließlich ein Master-Zweier mit Master-Christian als Touren-Chef und Einpeitscher, alle bereit ihr Letztes zu geben. Vor dem Start werden von Christian alle Boote mit Wachsfackeln als Positionsleuchten am Heck versehen. Für die Stimmung? Auch, jedoch mehr zur Sicherheit auf dem Wasser. Und leise gleiten die Boote gen Süden in die Dunkelheit.

Die Fahrt
Schnell übernimmt der Mädchen-Vierer die Führung der kleinen Flotte dicht gefolgt vom Mix-Vierer. Und der Zweier? No Chance. Da hilft kein Schwitzen und Stöhnen. Wir im Zweier sehen die Positionsleuchten der Vierer nur noch im Dunkeln verschwinden. Es ist zappenduster. Doch die verwegenen Ruderer sind vor Nix bange. Das regelmäßige Schlagen der Ruderblätter durchdringt als einziger Laut die Stille. Schlag auf Schlag. Christian und Bettina kennen den See wie ihre Westentasche und Erfahrung auf dem See ist jetzt von unschätzbarem Wert. Wir passieren Bernried. Die ersten Fackeln sind heruntergebrannt. Niemand ist zu sehen. Doch plötzlich hallen Rufe durch die Dunkelheit. Unruhe, Tumult. Fremde Stimmen mischen sich unter die Rufe der Ruderer. Die Lösung: Unsere jungen Ruderdamen im Mädchen-Vierer haben im Dunkeln die Stimmen ihrer Verehrer am Ufer erkannt. Während Christian mit spannendem Nacht-Rangier-Manöver auf See umsichtig alle Boote wieder mit Licht versorgt, steht für unseren Damen-Vierer fest: Man will die Atmosphäre auf dem See bei Mondschein jetzt erst einmal richtig genießen und auf dem Wasser bei Bernried einfach vor Anker gehen. Und träumen? Wie Romantisch! Kurz: Den Rest der Fahrt verbringt unser Mädchen-Vierer also bei Bernried dümpelnd auf dem Wasser. Meint: Der Mädchen-Vierer ist einfach nicht mehr zum Weiterrudern zu bewegen (Das kennen wir doch auch noch alle). Und die anderen? Tapfer versuchte der Doppel-Zweier mit Christian den Abstand zum Doppel-Vierer mit Bettina aufzuholen. Doch Dampfmacher Dirk sorgt für den gehörigen Abstand. Sind sie bereits in Seeseiten, fragen wir uns im Zweier. Wieder keine Positionslichter mehr auf dem Wasser zu sehen, nur das gleichmäßige Platschen der Skuls im dunklen Wasser ist zu hören. Der Mond beleuchtet schemenhaft die Szenerie. Gerade noch kann man das Ufer im fahlen Mondlicht ausmachen. Einfach ein Erlebnis. Und wieder durchschneiden Rufe aus dem Dunkeln die Nacht. Die Besatzung eines Segelboots - bei Bernried vor Anker liegend - grüßt. Und wir dachten die schlummern bereits alle: Vonwegen. Dann Bewegung auf dem Wasser! Bettina's-Doppel-Vierer schießt pfeilschnell im Dunkel - ohne Beleuchtung! - an unserem Zweier vorbei. Dirk was here! Ertappt und erkannt! Aber wir haben uns endlich alle wiedergefunden. Die kleine Flotte ist jetzt wieder vereint. Und gemeinsam geht es nun wieder nach Hause, zum Bootssteg.

Wieder daheim
24 Uhr. Alle drei Boote erreichen unbeschadet - mit allen Insassen und ohne voll Wasser gelaufen zu sein - den Heimathafen. Beim Anlegen klappt alles wie am Schnürchen. Trotz dunkler Nacht. Eingespielte Teams. Die einen leuchten mit den Fackeln, die anderen pullen und tragen. Spitzenleistung! Auch das An-Land-Hieven der Boote und das Zur-Bootshalle-Transportieren überstehen alle - Frau, Mann, Skuls und Boote - ohne Blessuren. So soll es sein. Habt Ihr etwas anderes erwartet? Und unsere Junioren freuen sich jetzt auf eine ereignisreiche Nacht in Schlafsäcken im Bootshaus. Da gibt es bestimmt viel zu erzählen. Von Bernried?

Fazit
Eine traumhafte Ruderfahrt bei Vollmond und Dank unserer erfahrenen Trainer: Reibungslos. Die Stimmung auf dem Wasser? Unbeschreibbare Bilder. Wann starten wir zur nächsten Tour?

Euer Jürgen


Vogalonga 2003

Hallo liebe Ruderinnen und Ruderer,
es war einmal..., nein, dies ist kein Märchen sondern Wirklichkeit geworden.
Eine Premiere für unseren Verein: Der TRV hat erstmals an der legendären Vogalonga teilgenommen!
Nach erfolgreicher Meldung über den MRC, mit sehr freundlicher Unterstützung von Andrea Nölle, konnte ich mich auf den Weg nach Venedig machen.
Am Freitagmorgen um 09.00 Uhr fuhr ich los, und hatte das regnerische München hinter mir gelassen Richtung Brennerpass. Der Verkehr lief einwandfrei um nicht zu sagen super, es waren kaum Autos unterwegs.
Mit einem kleinen Abstecher nach Asolo im Veneto; ein sehr kleines schnuckeliges Dörfchen mit einem sehr pittoresken Kern, einigen sehr interessanten Läden, einer tollen Papeterie und einer alten Burg, die sich zu besuchen lohnt. Natürlich gab es auch einige sehr gute Restaurants und ein Paar edle Tropfen die meinen Gaumen verwöhnt hatten; ging die Reise weiter.
Spät nachmittags traf ich in Venedig ein, kümmerte mich um meine Unterkunft und natürlich auch um mein leibliches Wohl.
Aber nein, das war keine kulinarische Reise im Veneto, ich musste lediglich Kräfte sammeln für die Vogalonga welche am Sonntag, den 25.Mai 2003 stattfand. Das Wetter für dieses Wochenende war ein perfektes Ruderwetter: 30 bis 32 ° C im Schatten und windstill, dementsprechend war auch die Lagune ziemlich wellenfrei.
Im Verlauf des Abends trafen auch alle andere Teilnehmer vom MRC, Straubinger RC, RGM, Regensburger RC und FRC ein, wir waren insgesamt 39 Personen
Und es gab folgende Boote: 1 Achter, 1 Riemen-Vierer, 5 Vierer
Am Samstag trafen wir uns alle um 11.00 Uhr im Hafen um die Boote aufzuriggern
Man hatte das Gefühl, man befand sich in der Pit Lane eines Formel-Eins-Rennens.
Alle Teams waren mit ihren Booten beschäftigt, und was das Improvisieren betraf wurden auch keine Grenzen gesetzt. Eine transparente Folie, einige Holzlatten und 5cm breite Tesafilm-Kleberollen waren die einzigen Materialien, die zur Verfügung standen um die Boote lagunentüchtig zu machen.
Die Resultate waren erstaunlich! Einige hatten eher vor zu fliegen wenn man die seitlichen Tragflächen betrachtete, andere hatten Campingstuhle angebracht, so daß sich der Streuerfrau/mann es sich gemütlich machen konnte um so über die Köpfe hinwegzuschauen.
Ich war im "Grawolf" eingeteilt, einen Vierer mit Stm., zusammen mit Mathias Zerr (MRC), Plica (MRC), Bentele (MRC) und Sudhoff (FRC).
Gegen 13.00 Uhr waren die Boote fertig und wurden zu Wasser gelassen.
Dann bekamen wir den ersten Vorgeschmack, wie die Verhältnisse sein würden
Der Schweiß tropfte uns vom Gesicht und dies bevor wir einen einzigen Schlag ausgeführt hatten. Das Boot wurde durch die engen Kanäle zum Campo Santa Margherita gefahren und wir verabredeten uns für 07.30 am Sonntag.
Nach einer sehr kurzen schwülwarmen Nacht war es dann so weit. Am frühen Morgen trafen wir uns wie verabredet am Boot, legten ab durch die Kanäle Richtung Canal Grande und San Marco zum Start. So langsam füllte sich die Bucht von San Marco mit allen möglichen Booten,
angefangen von Drachenbooten, klassische Ruderbooten, Englische Ruderbooten, Renngondeln, Barken, usw.
Die Atmosphäre war unbeschreiblich schön und beeindruckend:
1.Die Menge an Booten so weit das Auge reicht und 2.die Spannung vor dem Start.
Um 09.00 Uhr ertönt ein heftiger Knall und es geht los, lautstark hört man links und rechts
die Schlachtrufe "Viva San Marco!!!!" oder "Avanti Dilettanti!!!!".
Dann geht es um die Insel Sant'Elena (km 2-3) entlang Vignole, Sant'Erasmo und San Francesco del Deserto (km 4 - 12), bei Burano ist die halbe Strecke geschafft
Weiter geht's entlang Mazzorbo, Madonna del Monte und San Gacomo in Palude
Bei km 21 erreichen wir Murano und rudern fleißig durch den Gran Canale.
Venedig wird nach 26 km erreicht, am Eingang vom Canale Cannaregio werden wir von vielen Zuschauern lautstark empfangen und erhalten so den (notwendigen) Motivationsschub
um die letzen Kilometer zu bewältigen.
"Bravo" und "Belissima" begleiten uns weiter im Canal Grande, unter der Rialto Brücke
hindurch.
Bei km 29 wird noch eine Rechtskurve gefahren und dann geht es Richtung Ziel.
Eine begeisterte Menge an Zuschauern treibet uns richtig voran, so daß der letzte Kilometer
sehr schnell vorbei ist. Dann fahren wir dicht am Ponton auf der Höhe von Dogana, gegenüber San Marco, vorbei, unsere Namen werden aufgerufen und wir erhalten eine Medaille.
Danach wird es einem bewusst was man geleistet hat, nämlich 30 km bei glühender Hitze und keinem Hauch Wind, außer Fahrtwind, und das in 3 Stunden
Mein A... dankte es mir.
Anschließend wurde wieder zum Hafen gerudert und die Boote aus dem Wasser gehoben, abgeriggert und auf den Anhänger geladen.
Ich hoffe euch mit diesen Bericht neugierig gemacht zu haben und freue mich aufs nächste Jahr wenn wir mit unserem eigenen Bootsanhänger, vollgeladen, Richtung Venedig fahren
Einen lieben sportlichen Gruß.

Euer Dirk